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Der Ring an der Decke wies einige Kratzer und Scheuerstellen auf, die darauf hindeuteten, dass davon reger Gebrauch gemacht wurde. Die Decke selbst bestand aus rauem, hässlichem Beton und ließ jeden Schick vermissen. Eine Weile lag ich einfach nur da und starrte auf die unzähligen Risse und Unebenheiten, betrachtete erneut den Eisenring, der mir eine wenig Angst einflößte, und hatte schließlich genug gesehen. Ich setzte mich auf, zumindest gab das Gehirn meinem Körper den eindeutigen Befehl dazu, aber irgendetwas hinderte mich daran. Schnell fand ich heraus, woran es lag: Ich konnte meine Arme nicht zu Hilfe nehmen. Ich versuchte, meine Hände seitlich von meinem Körper aufzustützen, aber es gelang mir nicht. Die Kette, die hinter meinem Rücken meine Handgelenke verband, war unnachgiebig.
Handschellen, dachte ich. Man hat mich eindeutig mit Handschellen gefesselt. Aber warum? Und vor allem, wo bin ich? Und was ist mit mir geschehen? Fragen über Fragen und keine Antworten darauf. Ich musste so rasch wie möglich aus der Horizontalen hoch um mir ein Bild von meiner Situation zu machen. Ich schob meine Hände unter den Hintern, verrenkte meine Arme bis ich mich mit den Ellbogen unter meinem Rücken abstützen konnte und versuchte es noch mal. Ich hievte meinen Oberkörper mit Hilfe meiner Arme ein Stückchen nach oben, den Rest erledigte meine Bauchmuskulatur. Geschafft!
Ich sah, dass ich mich auf einer harten Pritsche befand, die lediglich mit einem grauen Leintuch bespannt war. Gleichzeitig bemerkte ich, dass ich völlig nackt war. Sogar das enge Latexkorsett war verschwunden, das schon fast ein Teil von mir geworden war. Um meine Fußgelenke schmiegten sich schwere Stahlschellen, die mit einer kurzen Kette miteinander verbunden waren. An einem Glied dieser Kette war eine weitere befestigt, die in einem Eisenring endete, der direkt neben der Pritsche im Fußboden verankert war.
‚Man hat mich in Eisen gelegt und fest gekettet’, dachte ich. Warum nur?
Die Pritsche stand direkt an der Wand zu meiner Linken, welche aus groben, ständig feuchten Steinen errichtete war und in dessen Zwischenräumen etwas Moos ein spärliches Dasein fristete. Die Wand mir gegenüber sah genauso erbärmlich aus und die schwere, mit Eisen beschlagene Eichentür, die darin eingelassen war, flößte mir auch kein Vertrauen ein. Zu meiner Rechten befand sich schließlich ein schmaler Streifen Fußboden und dahinter eine dritte Wand, die auch nicht anders aussah als die anderen. Ein Stück hinter dem Eisenring, an dem ich fest gekettet war, entdeckte ich ein kreisrundes Loch, etwa so groß wie Eimer. In einigem Abstand davon standen zwei Schalen auf dem Fußboden, eine davon mit klarer Flüssigkeit gefüllt, die andere mit einer breiigen Masse. Ich schüttelte mich vor Abscheu und die Ketten begleiteten meine Bewegung mit einem konstanten Rasseln.
Die einzige Seite meiner Zelle – ja so nannte ich den Raum bereits und keine andere Bezeichnung hätte besser gepasst – die ich noch nicht kannte, war die Wand hinter mir. Ich drehte meinen Kopf und schielte zurück, wurde aber bitter enttäuscht. Wieder sah ich nur auch eine kalte, feuchte Steinmauer. Nur hoch oben, für mich unerreichbar, befand sich eine kleine, quadratische Öffnung, die mit Gitterstäben gesichert war. Von dort fiel etwas Licht ein und verwandelte meine Behausung in ein dämmriges, grauenhaftes Loch.
Lange Zeit saß ich einfach nur da und starrte vor mich hin. Wie hatte es nur so weit kommen können? Es hatte doch alles so wunderschön begonnen, damals, als meine Eltern in den Urlaub nach Italien gefahren waren und ich es kaum noch erwarten konnte, mein Faible für Gummi ungestört und hemmungslos ausleben zu können. Bei dem Gedanken daran begann es in meinem Bauch leicht zu kribbeln. Und dann die Ausbildung bei Kerstin, die bizarren Auftritte in Hildas Club und später die Zeit mit Herrin Miranda und meinen Freundinnen. Alles war so wundervoll, es schien als hätte ich das große Los gezogen.
Und jetzt? Ich fand nichts Erregendes daran, in einer schäbigen Zelle festzusitzen. Wohin ich auch sah, nichts als Stein, Stahl und Ketten. Es wäre schon etwas besser gewesen, wenn man mich in Gummi gekleidet hätte, aber nicht mal diesen Gefallen hatte man mir getan.
Mir fiel der Wettbewerb in Hildas Anwesen wieder ein. Ich gehörte zur Verlierergruppe und erinnerte mich noch vage daran, dass man mich und die anderen in diese mobilen Gummizellen gesteckt hatte. Was dann passierte wusste ich nicht mehr. Ein großes schwarzes Loch klaffte in meinem Gedächtnis. Aber war ein verlorener Wettkampf wirklich Grund genug, mich in einen finsteren Kerker zu stecken? Das ging doch entschieden zu weit. Tatsache war aber, dass ich mich in einem solchen befand. Und allein der Gedanke an Flucht war lächerlich.
Ich stöhnte resignierend und mein Blick fiel erneut auf die beiden Schalen. Da ich großen Hunger und Durst hatte, schwang ich meine Beine von der Pritsche und stellte sie auf den kalten Fußboden. Ich richtete mich auf und ging vorsichtig darauf zu. Ich war noch etwas benommen und mein Gleichgewichtssinn hatte noch ein paar Schrammen und Dellen. Als ich noch zwei Schritte von den Schalen entfernt war, wurde meine Wanderung abrupt gestoppt. Die Kette, mit der ich mit dem Eisenring verbunden war, war völlig gespannt und ich konnte nicht weiter. Ich hatte keine andere Wahl. Ich ließ mich auf meine Knie hinab, beugte meinen Oberkörper nach unten und hielt meinen Mund über die Schale mit der klaren Flüssigkeit. Ich sank noch eine Stück tiefer und meine Lippen berührten das kühle Nass. Ich schlürfte etwas davon und erkannte am Geschmack, dass es sich um Wasser handelte. Ich stillte erst mal meinen Durst und probierte dann vorsichtig den Brei. Wider erwarten schmeckte er gar nicht mal so schlecht. Mit Heißhunger holte ich mit meinen Zähnen Bissen um Bissen aus der Schale, kaute ganz kurz und verschlang es. Wie ein Hund fraß ich aus den Näpfen, aber eine andere Wahl hatte ich nicht.
Nachdem ich aufgegessen hatte, richtete ich mich wieder mühsam auf und ging zurück zur Pritsche. Essensreste klebten auf meinem Kinn und meinen Wangen und da ich keine Möglichkeit hatte, es abzuwischen, blieben sie auch dort. Ich setzte mich auf mein hartes Lager, schwang meine Beine auf die Pritsche und legte mich hin. Ich starrte noch lange Zeit an die Decke und machte mir pausenlos Gedanken, warum man mir das antat, glitt aber schließlich doch in den Schlaf hinüber.
Als ich wieder erwachte, war noch alles beim Alten. Zumindest fast.
Ich befand mich noch immer in der trostlosen Zelle, meine Hand- und Fußgelenke steckten noch immer in stählernen Schellen und ich hatte nach wie vor nichts, um mir die Zeit zu vertreiben. Nur eines hatte sich verändert: Die beiden Schalen am Boden waren nun wieder gefüllt. Es musste also jemand in meiner Zelle gewesen sein, während ich geschlafen hatte. Ich interessierte mich aber nichts besonders für die Fressnäpfe. Im Moment hatte ich ein ganz anderes Bedürfnis; ich musste dringend auf die Toilette. Ich raffte mich mühsam in sitzende Position auf und ließ meinen Blick durch die Zelle wandern. Ich erkannte das kreisrunde Loch im Fußboden, erriet seinen Zweck und stand stöhnend von der Pritsche auf. Ich zog die Kette scheppernd hinter mir über den Fußboden, hockte mich über das Loch und ließ es laufen. Erst jetzt bemerkte ich, dass mein Urin auf ganz natürliche Weise aus mir heraus floss. Der Katheder, der über so viele Wochen in meinem Körper gestreckt hatte, war verschwunden. Während ich mich noch wunderte, wie gut ich trotzdem meinen Schließmuskel unter Kontrolle hatte, entdeckte ich nahe der Eichentür ein glänzendes Metallteil am Fußboden. Sofort war meine Neugier geweckt. Ich schüttelte die letzten Tropfen ab, erhob mich und ging hoffnungsvoll auf das kleine Ding zu.
Je näher ich kam, desto größer wurde meine Freude. Das kleine Metallplättchen war nichts anderes als ein Schlüssel. Wenn ich den erst mal in Händen hatte, bot sich eine reelle Chance aus diesem Verließ zu fliehen. Als ich nur noch zwei bis drei Schritte davon entfernt war, wurde ich an den Fußgelenken brutal gestoppt und ich wäre beinahe vornüber gekippt. Nur mit Mühe hielt ich mich auf den Beinen und erlangte das Gleichgewicht wieder. Diese verdammt Kette hinderte mich daran, bis zu dem Schlüssel zu gelangen. Aber so schnell gab ich nicht auf. Ich kniete mich hin und streckte mich dann mit dem Bauch nach unten auf dem Boden aus. Ich robbte so weit vorwärts, wie die Kette es gestattete und mit etwas Glück konnte ich den Schlüssel zu fassen kriegen. Mit meiner Nasenspitze konnte ich ihn gerade erreichten und schob ihn vorsichtig von der Tür weg. Es war mühsam und eine Millimeterarbeit, aber schließlich befand sich das Objekt der Begierde direkt unter meinem Mund. Ich benötigte einige Versuche, bis ich den Schlüssel mit meinen Zähnen aufgenommen hatte, aber sowie ich das geschafft hatte, wusste ich, dass ich dieser Hölle vielleicht entfliehen konnte.
Mit dem Schlüssel quer zwischen den Zahnreihen blickte ich zur Tür und meine Euphorie erhielt einen ordentlichen Dämpfer. Ich war noch etwa einen Meter davon entfernt und würde es niemals, so sehr ich mich auch streckte, bis dorthin schaffen. Außerdem sah ich nirgends ein Schlüsselloch, ja nicht mal eine Türklinke. Die einzige Öffnung war eine kleine Klappe, die wohl dazu diente um einen Blick in die Zelle zu verwerfen oder Nahrung herein zu reichen. Aber auch diese Klappe war geschlossen und vermutlich versperrt. Wozu hatte ich mir also die Mühe gemacht, den Schlüssel zu erwischen? Was aber, wenn der Schlüssel gar nicht zur Tür passte, sondern…
Ich schöpfte neue Hoffnung. Ich kroch so weit zurück, bis die Kette nicht mehr spannte und setzte mich auf den Boden. Ich spuckte den Schlüssel aus und ließ ihn zu Boden fallen. Dann drehte ich mich herum und tastete so lange den Steinboden ab, bis ich das kleine Metallding in den Fingern hatte. Nun versuchte ich – ebenfalls blind – den Schlüssel ins Schloss der Handschellen zu stecken. Lange Zeit blieben meine Bemühungen unbelohnt. Ich wollte schon aufgeben, da ich dachte der Schlüssel würde doch nicht passen, als hinter meinem Rücken ein leises Klicken zu hören war. Die Schelle um mein linkes Handgelenk öffnete sich und ich konnte meine Arme wieder frei bewegen. Jetzt wo ich das Schlüsselloch sehen konnte, war es ein Kinderspiel, auch meine rechte Hand aus der Schelle zu befreien.
Nun wurde ich übermütig und versuchte denselben Schlüssel auch noch an den Stahlschellen um meine Fußgelenke. Ich rechnete eigentlich nicht damit, dass ich mich auch davon befreien konnte, aber der Schlüssel passte. Überglücklich stand ich auf, nackt wie Gott mich schuf, aber von allen Fesseln befreit, und überlegte, was nun zu tun sei. Ich musste aus dieser Zelle raus, das war ganz klar, die Frage war nur wie. Das kleine Loch im Fußboden konnte ich gleich vergessen, da würde ich niemals hindurch passen. Und die Vorstellung, in einer Jauchegrube zu landen, ließ mich frösteln. Die vergitterte Öffnung hoch oben in der Mauer war auch nicht als Fluchtweg geeignet. Es blieb also nur die Tür übrig, aber auch das schien ohne Klinke und Schlüsselloch aussichtslos zu sein. Trotzdem versuchte ich mein Glück. Ich krallte meine Finger in die kleine Ritze zwischen Tür und Türstock und zog aus Leibeskräften. Nichts! Keinen Millimeter ließ sie sich bewegen. Als nächstes versuchte ich mich an der kleinen Luke. Vorsichtig schob ich sie zur Seite – ich machte vor Freude fast einen Luftsprung als das klappte – und ging sofort in Deckung, um von eventuell draußen stehenden Wachen nicht bemerkt zu werden. Aber alles blieb still. Vorsichtig lugte ich durch den entstandenen Spalt. Ich sah ein Stück einer düsteren Wand, das den Wänden meiner Zelle sehr ähnlich sah. Ich öffnete die Luke nun ganz, steckte meinen Arm hindurch und fasste auf der anderen Seite der Tür nach unten. Ich musste nicht lange suchen, bis ich eine Klinke in meiner Hand fühlte. Ich drückte sie nach unten und die Tür schwang mit einem unheimlichen Quietschen nach innen auf.
Vorsichtig trat ich über die Schwelle und rechnete jeden Augenblick damit, von starken Pranken gefasst und in die Zelle zurück geschleudert zu werden. Aber nichts dergleichen geschah. Ich trat nun ganz aus der Zelle hinaus, zog die Tür hinter mir zu und schloss auch die kleine Luke wieder. Dann sah ich mich um.
Ich befand mich in einem Gang, der schier endlos nach links und rechts verlief und sich irgendwo in der Dunkelheit verlor. In unregelmäßigen Abständen erkannte ich Kerzen, die an den Wänden befestigt waren. Der Fußboden war aus Stein und fühlte sich auf meinen blanken Sohlen kalt an.
Nun war guter Rat teuer. Wohin sollte ich mich wenden? Ich verließ mich auf mein Glück und ging nach links. Auf Zehenspitzen schlich ich vorwärts, um mich nicht durch einen unbedachten Laut zu verraten. Die Luft schien still zu stehen und roch modrig. Jedes mal wenn ich eine Kerze passierte beschleunigte ich meine Schritte, denn ich fühlte fast die finster blickenden Augen, die mich verfolgten und mich im Kerzenschein deutlich sehen konnten.
Der Gang zog sich schier endlos und monoton in die Tiefe. Langsam kamen mir bedenken, ob ich den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Was, wenn ich immer tiefer in dieses unterirdische Verließ vordrang, anstatt Richtung Ausgang zu flüchten? Ich beschloss, den Gang noch etwa fünf Minuten zu erforschen und – sollte ich dann immer noch nirgendwo angekommen sein – umzukehren und mein Glück in der anderen Richtung zu suchen. Es dauerte aber keine zwei Minuten und ich wurde erneut vor die Wahl gestellt. Zu meiner Linken zweigte ein kurzer Flur – nur wenige Schritte lang – im rechten Winkel vom Gang ab und endete an einer massiven, mit Eisen beschlagenen Eichentür. Die Tür sah jener zu meiner Zelle zum Verwechseln ähnlich. Ich beschloss, einen kurzen Abstecher zu riskieren und bog nach links ab. Je näher ich der Tür kam, umso deutlicher erkannte ich die schwere Klinke und die hölzerne Luke in Augenhöhe. Als ich direkt davor stand, bemerkte ich auch das kleine Schild, das an einem Nagel hing.
“Edith”, stand darauf.
Ich erschrak. Meine Freundin saß also auch in diesem Kerker fest. Aber noch viel mehr schockten mich die Worte, die unter dem Namen standen. ‚Noch 84 Stunden’, las ich. Ich konnte nicht anders, ich musste versuchen meiner Freundin zu helfen, oder zumindest einen Blick in ihre Zelle werfen. Ich drückte die Klinke nach unten, aber die Tür bewegte sich nicht. Also machte ich das einzige, was ich tun konnte. Ganz vorsichtig schob ich die Holzplatte des Gucklochs zur Seite, warf einen Blick in die Zelle und im selben Moment hielt ich den Atem an. Meine Augen weiteten sich zu glänzenden Murmeln und die feinen Härchen auf meinen Armen richteten sich zu einer Gänsehaut auf.
“Mein Gott, Edith”, hauchte ich entsetzt, “Warum nur?”
Ganz langsam machte ich das Guckloch wieder zu, denn ich konnte absolut nichts für meine Freundin tun. Ich ging den kurzen Flur zurück und setzte meinen bisher wenig erfolgreichen Fluchtversuch fort, indem ich den stollenartigen Gang weiter erkundete, in der Hoffnung, irgendwo einen Ausgang zu finden.
An meiner Umgebung änderte sich recht wenig bis auf drei Dinge: Zum einen wurden die Kerzen, die etwas Helligkeit verbreiteten, immer weniger. Dementsprechend wurde es immer düsterer in diesem unheimlichen Gang. Zum anderen tappte ich nur noch mit halber Aufmerksamkeit vorwärts, denn meine Gedanken beschäftigten sich intensiv mit Edith. Das dritte, was sich geändert hatte war, dass ich mich mit der linken Hand an der kalten Mauer vorwärts tastete, während meine andere Hand sehr zartfühlend meine empfänglichsten Stellen zwischen meinen Beinen liebkoste, was mir aber erst auffiel, als ich beinahe mit dem Kopf gegen eine weitere Tür rannte. Völlig überrascht blickte ich abwechselnd auf das neue Hindernis, dann auf meine rechte Hand, die ohne mein Wissen meine Spalte massierte, als gehöre sie jemand völlig anderem, dann wieder auf die Tür. Was war los mit mir? Hatte mich der Anblick von Edith völlig um den Verstand gebracht? Was war so erregend daran in ein schäbiges Loch zu blicken, in dem sich nichts befand außer einem unförmigen, schwarzen Gummisack? Einem Gummisack, der aussah wie eine überdimensionale Knackwurst, die bis zum Bersten aufgepumpt war? Oberflächlich betrachtet gab dieser Anblick nicht viel her, das war schon richtig. Was mich so in Rage versetzte war die Vorstellung, dass sich ein Mensch im Inneren dieses Gummisacks befand. In diesem Fall war es meine Freundin Edith, die es erwischt hatte. Aber konnte mir nicht jederzeit dasselbe passieren? Und das Verrückte daran war, dass ich es mir sogar wünschte. Ich hatte nur für ein paar Sekunden in Edith Zelle geblickt, das Bild stand aber immer noch scharf und in Farbe vor meinem geistigen Auge. Jedes Detail hatte ich mir eingeprägt. Das unförmige Bündel hob und senkte sich auf einer Seite gleichmäßig auf und ab, im selben Rhythmus sog und entwich Luft aus einer kleinen Öffnung mit einem melodischen Pfeifton. Sie atmet, dachte ich. Was außer atmen war ihr sonst noch geblieben? Ich grübelte eine Weile, dann wusste ich es:
Fühlen!
Während meine rechte Hand mein Lustzentrum verwöhnte, spielten die Finger meiner anderen Hand an den Knospen meiner Brüste. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die Tür, die plötzlich überhaupt nicht mehr interessant war und ließ meiner Lust freien Lauf.
Eine leises, kaum wahrnehmbares Tripp-Trapp, Tripp-Trapp war zu hören, wie von Kinderfüßchen.
“Noch 84 Stunden”, stöhnte ich.
Wie konnte ein Mensch das nur aushalten? Es musste die Hölle sein oder war es vielleicht doch ein einzigartiges, wundervolles Erlebnis?
Unter der Öffnung in Ediths schwitzigem Gefängnis, aus der die Luft zischte, befand sich eine zweite, die nur der Fütterung dienen konnte. Ob die Eingeschlossene selbständig kauen konnte, wusste ich nicht. Womöglich steckte gar eine Sonde in ihrem Magen und sie wurde auf diese Weise mit Nahrung versorgt. Am anderen Ende des Gummisacks hatte ich zwei weitere Öffnungen entdeckt, die in kleinen Gummibeuteln endeten. Einer war durchsichtig und etwa zu einem Drittel mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt, der andere Beutel war schwarz wie die Nacht.
Alles was rein geht, muss auch irgendwo wieder raus, dachte ich. Oh mein Gott!
Zwei meiner Finger drangen zwischen meine Schamlippen ein und glitten geschmeidig in mein Lustzentrum. Sie stießen mehrmals vor und zurück, dann gesellte sich ein dritter Finger dazu. Ich begann heftiger zu atmen und meine Knie wurden weich. Ich sank nach unten, zuckte kurz zusammen, als mein blanker Hintern den kalten Steinboden berührte und spreizte lüstern die Schenkel. Etwas Nektar trat zwischen meinen Beinen aus und tropfte zu Boden. Wie in Trance glitten meine Finger aus der Vulva heraus. Ich roch daran und ein heftiges Kribbeln durchfuhr all meine Glieder. Ich leckte daran und ein heftiges Erdbeben erschütterte meinen Schritt. Meine Hand fuhr wieder nach unten und die noch feuchten Finger bohrten sich erneut in meine kochend heiße Spalte.
Ein leises Klick-Klack Klick-Klack war zu hören; es kam eindeutig von der anderen Seite der Tür, aber ich war zu aufgeregt, um es wahr zu nehmen.
Oh Edith, dachte ich, wie musst du dich im Moment fühlen? Ich bedauere dich, aber ich möchte so gerne mit dir tauschen. So gerne! Ein Leben, das nur auf Atmen reduziert ist.
Und auf fühlen.
Ja. Fühlen. Das war das wichtigste dabei. Zu fühlen, wie das enge Gummi den Leib umspannte und einen festhielt wie ein leidenschaftlicher Liebhaber. Zu fühlen, wie die Feuchtigkeit die Haut entlang kroch und sie mit unsichtbaren Fingern kitzelte. Zu fühlen, wie sich das Gummi festsaugte, jede Ritze und Falte des Körpers einnahm und sich wie ein hautenges Gefängnis gegen den Körper presste.
Und dann kroch ein gewaltiger Orgasmus aus den Tiefen der Keuschheit empor, ein Orgasmus wie ich ihn noch niemals im Leben empfunden hatte. Nur für einen Wimpernschlag verkrampften sich meine Lenden, dann folgte der erlösende Höhepunkt. Eine gewaltige Woge schwappte durch meinen Körper, all meine Sehnen und Nerven waren zum zerreißen angespannt und ich nahm nichts mehr um mich herum wahr. Der Gipfel körperlichen und geistigen Empfindens war erreicht und ebbte langsam, ganz langsam wieder ab. Oh Edith, hauchte ich, bitte lass mich deinen Platz einnehmen! Egal ob für 84 Stunden, für Wochen oder für immer!
Klick-Klack Klick-Klack. Jetzt war es ganz nah. Ein tiefes Brummen begleitete das metallische, eintönige Geräusch. Es kam von dicht hinter der Tür und riss mich brutal aus meiner wollüstigen Stimmung. Schlagartig kehrte ich in die Realität zurück. Ich bemerkte, dass ich auf dem Boden eines modrigen, kalten Stollens saß und die Beine weit gespreizt hatte. Was zum Teufel machte ich nur hier. Ich hätte mir keinen schlimmeren Ort zum Masturbieren aussuchen können. Sollte ich einfach hier sitzen bleiben und darauf warten, bis sie mich schnappten. Vielleicht wartete bereits ein zweiter Gummisack darauf, mich zu verschlucken. Die Vorstellung war verlockend, aber wahrscheinlicher war, dass man mich in meine Zelle zurück verfrachtete, mich in Eisen legte und mich bei Wasser und Brot langsam verschmachten ließ.
Das Gemurmel und Klicken hinter der Tür war nun ganz nahe. Ich sprang auf meine Beine und huschte den Weg zurück, den ich gekommen war. Ich nahm die Abzweigung zu Ediths Zelle, kauerte mich tief in den Winkel zwischen Tür und Wand und machte mich so klein wie möglich. Ich wagte kaum zu atmen, als die Schritte immer näher kamen. Und als schließlich eine Gestalt die Kreuzung zwischen Gang und Flur betrat und genau dort stehen blieb, hielt ich tatsächlich den Atem an.